10 BARF Mythen und ihre Hintergründe

Jack Russell knabbert an einem KnochenTrotz des Internets, unzähliger Fachbücher und BARF-Shops, die wie Pilze aus dem Boden sprießen, gibt es noch etliche Mythen über das BARFen, die sich wirklich wacker halten.

Mit einigen dieser Mythen möchte ich an dieser Stelle näher befassen und dir aufzeigen, warum sie entweder völlig haltlos sind oder sie eben nur die halbe Wahrheit wiedergeben.

 

Mythos 1: „Hunde werden aggressiv, wenn sie Fleisch fressen“

Das ist wohl der „Obermythos Nummer 1“. Es gibt tatsächlich die Vorstellung, dass Hunde zu blutrünstigen Bestien mutieren und sogar ihre Halter fressen, sobald sie einmal sprichwörtlich „Blut geleckt“ und frisches Fleisch gefressen haben. Das ist natürlich völliger Quatsch. Für diese Annahme gibt es weder einen vernünftigen Grund, noch tatsächlich existierende Beispiele.

Wenn es richtig schlecht läuft, wird dein Hund das BARF-Fleisch einfach nicht mögen und es nicht fressen. Hunde sind schlau genug zwischen „Futter“ und „Mensch“ zu unterscheiden und auch dein Hund wird dir nachts deshalb nicht heimlich an die Gurgel gehen.

Mythos 2 „Nur echte Profis können Hunde Barfen“

Ein ebenso hartnäckiger Mythos, dem die Stimmen etlicher „Barfer“ und die Gesundheit ebenso vieler Hunde, die gebarft werden entgegenstehen.

Klar, wer BARFEN möchte, muss sich ein wenig mehr mit der Ernährung beschäftigen, als nur eine Dose zu öffnen. Aber BARF ist eben auch keine hochkomplizierte Wissenschaft. Ich würde es mittlerweile sogar als einfach bezeichnen, wenn man da erstmal seine Routine gefunden hat. Etliche Ratgeber und Bücher helfen dabei.

Man stellt sich ja auch nicht hin und sagt: „Nur Profis können Kinder richtig ernähren. Deswegen gebe ich meinen am besten nur Fertiggerichte.“ Das nehmen wir als Eltern ja auch selbst in die Hand. Ich finde, bei der Ernährung des Hundes ist das nichts anderes.

Mythos 3 „Mit dem Barfen kann man den Nährstoffbedarf des Hundes nicht decken“

Auch hier muss ich leider wieder mit dem Vergleich von Hundedosenfutter und Fertiggerichtigen für den Menschen kommen. Das BARF-Konzept deckt sehr wohl den Nährstoffbedarf des Hundes. Fleisch, Gemüse, Obst, Öle und Flockenzusätze ergeben etliche abwechslungesreiche Mahlzeiten und decken in der empfohlenen Menge sehr wohl den Bedarf des Hundes.

Es ist natürlich sehr bequem, alle Nährstoffe in der empfohlenen Tagesration jeden Tag in der Nahrung zu haben. Aber wie erreicht man das? Wir Menschen könnten das mit Fertiggerichten realisieren. Bei Hunde erledigen das Trockenfutter und Dosenfutter. Rein theoretisch also müsste unser Nährstoffbedarf wunderbar abgedeckt sein, würden wir uns täglich bei diversen Fast-Food-Ketten ernähren.

Warum machen wir das nicht? Weil wir wissen, dass viele dieser Nährstoffe künstlich hinzugefügt wurden. Und weil wir wissen, dass ein frisch zubereitetes Gericht ohne künstliche Zusatzstoffe einfach gesünder für uns ist.

Also kochen wir täglich oder bereiten uns abwechslungsreiche Mahlzeiten zu und das ganz ohne Tabellen und Richtwerte – und siehe da, wir leben gesund und uns geht es gut.

Genau das vermittelt für mich auch das BARF-Konzept: eine natürliche und frische Ernährung für Hunde in abwechslungsreicher Form.

Mythos 4 „Barfen ist kompliziert“

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: auch das ist Quatsch. Gut, wem das Öffnen einer Dose schon zu viel ist, für den wird auch BARF zu kompliziert sein.

Im Grunde muss man sich aber nur ein Mal gut und ausführlich mit dem Thema auseinander setzen. Ein bis zwei gute Ratgeber und ein guter BARF-Händler oder -Shop, der dich mit Fleisch, Knochen, Ölen und Flocken ausstattet genügen und du kannst mit dem BARFen starten.

Dazu errechnest du dir ein Mal einen Tagesbedarf für deinen Hund und erstellst beispielsweise einen Futterplan für die nächsten 4 Wochen, den du dann entweder wiederholen oder variieren kannst. Du wirst nach ein paar Monaten merken, dass du sicherer wirst und nicht mehr jedes Milligramm abwiegst.

Du wirst auch bemerken, dass du dich nach einiger Zeit nicht mehr an strikte Futterpläne hälst, sondern je nach Geschmack und Bedarf deines Hundes, saisonalen Gemüse- und Obstsorten variierst. Wie schon so oft erwähnt: Die Abwechslung im Futterplan ist das Fundament für eine ausgewogene Ernährung.

Mythos 5 „Barfen ist teuer“

Noch so ein Trugschluss. Es kommt natürlich auch hier darauf an, ob ich Discounter-Hundefutter mit völlig überteuertem frischen BARF-Fleisch aus Hamurg Eppendorf vergleiche 😉 oder Premium-Dosenfutter mit „Billig-Fleisch“ minderer Qualität.

Ich habe mir den Spaß mal gemacht und das Ganze für meine beiden Hunde ausgerechnet. Der durchschnittliche Kilopreis für frisches Fleisch bei meinem BARF-Händler liegt in etwa bei 3,80 Euro. Im Monat liege ich da ungefähr bei Futterkosten von 57 € pro Hund. Hinzu kommen Öle, Flocken und Obst und Gemüse – ich würde sagen, das sind im Schnitt nochmal 10 € pro Hund und Monat. Also kostet das Barfen für einen meiner Hunde im Monat so in etwa 67 €.

Als Vergleichswert habe ich mir dir Dosenpreise für Nassfutterdosen genommen, die ich meinen Hunden im Notfall (oder im Urlaub) füttern würde. Füttern müsste ich nach Fütterungsempfehlung mindestens eine 800-Gramm-Dose pro Tag und Hund. Der Dosenpreis liegt hier im Schnitt bei 4,49 €. Das macht sage und schreiben – Achtung festhalten – 134 € pro Hund und Monat! Und damit ist die Dose fast doppelt so teuer.

Im Umkehrschluss müsste die Dose mit 800 Gramm pro Tag und Hund also weniger als 2,23 € kosten, damit das Fertigfutter tatsächlich günstiger wäre als das Barfen.

Mythos 6 „Barfen kostet zu viel Zeit“

Dieser Mythos ist ähnlich gelagert wie die Aussage, dass Barfen zu kompliziert ist. Ja, im Vergleich zum Dosenöffnen ist es zeitaufwändiger.

Wie ich aber schon an einigen Stellen erwähnt habe, fängt man bereits nach kurzer Zeit an, Routinen zu entwickeln, sicherer zu werden und nicht mehr jedes Gramm abzuwiegen.

Wenn du gerade auf BARF umstellst, achtest du vielleicht noch sehr darauf. Nach wenigen Wochen kennst du die Mengen aber bereits und brauchst nicht mehr für alles eine Waage und einen Messlöffel.

Das Füttern meiner Hunde kostet mich in keinem Fall mehr als 5 Minuten am Tag. Das Fleisch wird am Vortag aus dem Frostfach geholt und darf in Ruhe auftauen. Alles was ich dann mache ist: Fleisch in den Napf, Gemüse, Obst, Flocken und Öle hinzu. Je nach Bedarf umrühren bzw. vermischen. Futternapf hinstellen oder kleine Portionen im Garten verstecken und den Hund suchen lassen. Fertig.

Mythos 7 „Knochen sind gefährlich für Hunde“

Diese Aussage ist so pauschal genauso unwahr, wie die Aussage, dass Hunde alle möglichen Knochen fressen sollten und dürfen. Weder noch.

In erster Linie enthalten Knochen für Hunde lebenswichtiges Calcium. Das wird benötigt, um Knochen und Zähne gut auszubilden und gesund zu erhalten.

Damit sind Knochen in jedem Fall wichtiger Bestandteil der Ernährung eines Hundes.

Problematisch ist einzig die Tatsache, dass vor allem gekochte, gegarte bzw. allgemein erhitzte Knochen (vor allem Geflügelknochen) sehr gefährlich für Hunde sind und in keinem Fall so gefüttert werden sollten.

Knochen, die mal erhitzt wurden, können sehr schnell splittern und diese Knochensplitter können böse innere Verletzungen verursachen.

Rohe und frische Knochen sind wichtig in der Ernährung des Hundes und bieten außerdem Kauspaß für den Hund.

Generell sollte man nur darauf achten, dass die Knochen weder zu groß noch zu klein für den Hund sind, damit der Vierbeiner daran vernünftig kauen kann und den Knochen nicht in einem Stück herunterschluckt.

Möchte man dennoch auf die Fütterung von Knochen verzichten, sollte man jedoch darauf achten, dass man innerhalb der BARF-Ernährung die Calcium-Zufuhr auf andere Weise ermöglicht.

Mythos 8 „Frischfleisch verursacht Würmer bei Hunden“

Üblicherweise stammt das BARF-Fleisch aus den Schlachthöfen in denen auch das Fleisch für den Lebensmittelhandel verarbeitet wird. Diese Betriebe unterliegen strengen Kontrollen.

Dass der Hund durch das Frischfleisch an Würmern erkrankt, müsste bedeuten, dass sich die Würmer bzw. Wurmeier bereits auf dem Fleisch befanden. Das wiederum würde bedeuten, dass sich die Würmer auch auf dem Fleisch für den menschlichen Verzehr befinden könnten.

Möglich ist das. In der Realität ist das jedoch sehr unwahrscheinlich aufgrund benannter Kontrollen und Sicherheitseinrichtungen.

Außerdem wird auch das BARF-Fleisch direkt nach der Verarbeitung oder dem Kauf oft in das Frostfach gepackt, um es so länger haltbar zu machen. Das Einfrieren bewirkt ebenso ein Abtöten von Eiern und Würmern, sofern sich solche tatsächlich auf dem Fleisch befinden sollten.

Mythos 9 „Barfen geht auch ohne Gemüse und Obst“

Nein, geht es nicht. Wer glaubt, dass ein Brocken Fleisch schon irgendwie reicht, der irrt gewaltig. Hunde brauchen ebenso Vitamine, Fette und Nährstoffe, die sich nicht mit einem „Brocken Fleisch“ erledigt haben.

Ein ganz klassisches Beispiel sind Omega-3 und -6-Fettsäuren, die vor allem über Lachsöl und Leinöl in das Hundefutter kommen. Diese Fettsäuren sind im Fleisch nun mal nicht in der Menge enthalten. Fehlen dem Hund diese Fettsäuren über lange Zeit, kann es zu trockener und juckender Haut, rauhem Fell und auch Fellausfall kommen.

Und auch Vitamine müssen einfach in den Hundekörper hinein. Und die sind eben nicht ausreichend im Fleisch vorhanden und müssen zum Fleisch hinzugefügt werden.

Mythos 10 „Barfen führt dem Hund zu viel Eiweiß zu“

Ein Mythos, der vor allem von Seiten der Futtermittelindusrie sehr gern aufrecht erhalten wird. In diesem Artikel findest du dazu eine tolle und sehr ausführliche Erklärung.

Fakt ist – und auch das zeigt der verlinkte Artikel sehr gut – eine Überversorgung mit Eiweiß kann durch Barfen bei einem gesunden Hund nicht erreicht werden.

10 BARF Mythen und ihre Hintergründe
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